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Infotag: Lesen und Rechnen lernen (27. Oktober 2007)

Menschen mit Down-Syndrom wird häufig die Fähigkeit zu logischem Denken und Lesen zu lernen abgesprochen. "Das ist für die Betroffenen tragisch und auch falsch", sagen die Sprecher der Initiative Down-Syndrom im Kreis Unna. Denn heute lernen viele Kinder mit Down-Syndrom lesen und schreiben. Gute Erfolge sind auf diesem Gebiet mit der nichtlinearen Lesedidaktik erzielt worden. Die seit einigen Jahren praktizierte Methode war das Thema der Informationsveranstaltung.

Eingeladen hatte die Initiative Down-Syndrom Lehrer, Kindergartenerzieher, Sprachtherapeuten und Eltern betroffener Kinder, um über das große Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten zu informieren. Denn Aufklärungsarbeit ist nötig, damit der Prozess der Integration behinderter Menschen voranschreiten kann und der Umgang mit Behinderten zur Normalität wird.

Als Referentin kam Dr. Christel Manske aus Hamburg nach Bergkamen. Sie hat nach langen Jahren der Studien und praktischer Arbeit mit behinderten Kindern ein eigenes Institut gegründet. Die Referentin selbst, die seit über dreißig Jahren mit geistig behinderten Menschen zusammenarbeitet, hat die Methode der nichtlinearen Lesedidaktik durch eigene Forschungsarbeiten und viel persönliches Engagement auf den Weg gebracht. Im Zentrum ihrer Didaktik steht die Einheit von Symbol, Handlung und Zeichen mit dem Ziel, allen Kindern eine optimale Entwicklung zu gewähren. Die Menschen, die auf diese Weise das Lesen lernen, verknüpfen erste Buchstaben mit alltäglichen Geschehnissen aus ihrer unmittelbaren Umwelt und werden so an die Kunst des Lesens und Schreibens herangeführt. Dass auch Kinder mit geistiger Behinderung sehr lernwillig und aufnahmefähig sind, bewies Dr. Manske sehr anschaulich durch Filmmaterial, das sie mit nach Bergkamen gebracht hatte.

Wichtig war es ihr, herauszustellen, dass die von ihr entwickelte Methodik auf wissenschaftlichen Fundamenten stehe und für die Arbeit mit geistig Behinderten jederzeit anwendbar sei. Im zweiten Teil des Vortrags behandelte sie das Thema Rechnen mit geistig Behinderten Menschen. Auf diesem Gebiet habe sie selbst durch die Anwendung der Lehren des Lernpsychologen Jean Piaget beträchtliche Erfolge aufzuweisen. "Wir stehen leider in unserer Gesellschaft in einer Tradition, die die Integration behinderter Menschen sehr erschwert und sie an den Rand drängt. Behinderungen sind daher ein rein soziales Problem", sagte die Hamburger Referentin.

Westfälischer Anzeiger 29.10.2007


    

© 14.02.2008  Initiative Down-Syndrom Kreis Unna e.V.